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Die Geschichte vom

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Waldhof, Pension und Restaurant 5 km südlich von Neuruppin

Ausgedehnte typisch märkische Kiefernwälder prägten vor ca. 150 Jahren unsere Landschaft.
Die Gemarkung Herzberg gehörte damals zum Zisterzienserkloster Lindow.
Auf Grund der Rezesse von 1854 - 1885 wurde ein Teil der Wälder an Herzberger Bauern verkauft. Durch die Grunderwerbsgesellschaft von Großberlin erwarb Gutsbesitzer Hans Henning Baron von Stechow-Kotzen, Berlin, diese und weitere Flurstücke für 100 000 Goldmark.
Ende Oktober 1910 wird Arrestbefehl gegen den "unbekannt verzogenen" Baron wegen schuldig gebliebener 75 TM erlassen. Der Bevollmächtigte in Sachen Stechow-Kotzen, Heinrich Ebstein aus Wiesbaden, übernimmt durch einen Hypothekeneintrag die Haftung. In der Zwischenzeit verspielt Stechow-Kotzen in Ungarn das Grundstück an einen Eugen Szege. Die Übereignung wird von der deutschen Botschaft in Budapest beglaubigt. Wegen Nichtzahlung der fälligen Zinsen erhält durch Zuschlagsbeschluß nach Zwangsvollstreckung 1912 die Norddeutsche Immobilien-Aktiengesellschaft in Berlin das Grundstück. 1920 erwirbt von dieser Aktiengesellschaft der Brennmaterialienhändler Sigismund Teller aus Berlin-Friedenau den Besitz. Teller beginnt mit der Rodung der Wälder und verkauft das Bau- und Brennholz überwiegend nach Berlin. Die Grundbucheintragung erfolgte am 9. April 1921. Zwei Tage später wird der Grundstein für das erste Wohngebäude gelegt.

Nachdem die Wälder abgeholzt waren, verkaufte Teller im Dezember 1922 das Objekt mit allem lebenden und toten Inventar an Oberleutnant von Harder. Auf Grund der Zahlungsunfähigkeit von Harders wird Teller nach gerichtlicher Verhandlung wieder im Grundbuch eingetragen.

Am 20. Dezember 1924 verkauft Teller die inzwischen 32 ha große sogenannte "Kahle Heide" an den Kaufmann Ernst Denkler aus Berlin. Mit der Übernahme durch Denkler wird das Grundstück in "Denklersfelde" umbenannt. Der neue Besitzer gründete die "Herzberger Chemische Werke GmbH", plante die Haltung von Seidenraupen und die Gründung einer Filmstadt nach dem Vorbild von Hollywood und Neubabelsberg.

Denkler verlor sein Grundvermögen durch Zwangsversteigerung 1926 an den Kaufmann Gambitzki aus Berlin-Pankow, weil Hypothekengläubiger 36 % Jahreszins einforderten. Gambitzki verkaufte das Grundstück ein halbes Jahr später an den Landwirt und Juristen Dr. Alexander Turmakin aus Berlin-Schöneberg. Das von Teller gebaute Wohnhaus erhielt von Turmakin
den Anbau der Attika mit 9 Säulen.

Turmakin verkaufte 1930 das Grundstück an den Landwirt Thordsen aus Berlin-Grunewald und dieser bereits im Juni des gleichen Jahres an das Fräulein Wally Mecker aus Berlin-Wilmersdorf. Das "Waldgut" hat jetzt die Größe von ca. 45 ha. Die neue Besitzerin betrieb Landwirtschaft auf den kargen Sandböden der ehemaligen Waldflächen. Um die Erträge zu verbessern, wurde mit einem Aufwand von 70 000 Reichsmark Seeschlamm aufgefahren. Der Generaldirektor des Kalisyndikats von Deutschland, Dr. August Diehn, förderte die landwirtschaftliche Unternehmung. Es wurden u.a. sieben Hühnerhallen gebaut und 3000 weiße Leghorn gehalten. Auf dem "Farmgut" wurden Düngemittelversuche durchgeführt. Ein Halbbauernhof in Herzberg von 22 ha und gutem Pachtland wird dazugekauft. Desgleichen Grünlandflächen aus der Gemarkung Wuthenow. 1938 wurde die Lindenallee, die noch heute genutzte Einfahrt zum Grundstück angelegt. Zeitweise waren mehrere Gärtner beschäftigt.

Der Generaldirektor hatte die Flächen von Herzberg bis Löwenberg jagdlich gepachtet. Ehemalige Jagdhelfer wußten von tollen Erlebnissen zu berichten.

Im Sommer 1939 stirbt die "flotte Wally", wie das Volk die lebenslustige Hausherrin nannte, und das Grundstück wird von der Erbengemeinschaft der Geschwister Mecker übernommen.

Im November 1942 erwirbt der Besitzer des Gloriapalastes Berlin das Grundstück als Landsitz. Durch Baumaßnahmen werden zwei Säulen der Attika abgerissen. Nach Premieren in seinem Filmpalast wurde auf dem "Farmgut" gebührend gefeiert. Aus Berichten der ehemaligen Bediensteten waren u.a. die Schauspieler Zarah Leander und Willi Birgel häufige Gäste.

Von 1943 - 1945 war die Schweizer Gesandschaft hierher von Berlin aus evakuiert worden.

Im August 1947 erwirbt mein Vater, Siegfried Dahte, das Stammgrundstück "Farmgut". Die Gebäude waren durch Kriegseinwirkung und unterlassene Werterhaltungsmaßnahmen stark devastiert und durch Angehörige der Besatzungstruppen geplündert. Es fehlten sämtliche Türen und teilweise auch die Fenster. Dennoch gelang es mit unermüdlichem Einsatz, bereits 1948 die ersten Erholungsgäste aufzunehmen.
Mein Vater hatte die Absicht, als Diplom-Chiropraktor ein Sanatorium zu eröffnen. Die zuständigen Behörden erteilten dafür jedoch keine Genehmigung. Ab Mai 1948 wurde das Erholungsheim "Farmgut" durch den "Freien Deutschen Gewerkschaftsbund" belegt.
Diese Bedingungen dauerten nicht lange an, da auf die morgendliche Zeitungsschau und die neue Politik nicht eingegangen, sondern im Gegenteil dazu die christliche Haltung des Hauses betont wurde. Der Vertrag wurde auf Grund der kirchlichen Einstellung des Hauses gekündigt. Kurze Zeit währte die Zusammenarbeit mit dem Reisebüro "Norden".

Bis 1955 führten meine Eltern das Haus ohne feste vertragliche Bindung. Ab 1955 konnte ein Belegungsvertrag mit dem Caritasverband Berlin geschlossen werden. In den folgenden Jahren wurden die verschiedensten Werterhaltungsmaßnahmen durchgeführt, wobei wir immer darauf geachtet haben, daß das landschaftstypische Bild der Umgebung gewahrt bleibt. Mit dem Rückgang des landwirtschaftlichen Nebenbetriebes wurde ein kleiner Tiergarten angelegt.
Mit Ende des Jahres 1991 wurde der Pachtvertrag im gegenseitigen Einverständnis zwischen dem Caritasverband und uns gelöst. Das seit 1948 bestehende Erholungsheim wurde immer als Familienbetrieb geführt.

Diese Tradition wird nun nach fast 45 Jahren mit der dritten Generation als
Pension & Restaurant Waldhof seit dem 7. August 1992 fortgesetzt.

Gerd Dahte

Zur Landkarte und Wegbeschreibung

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